Streiflichter zu 20 Jahren Sozialwerk Meiningen e.V.

Anlässlich der Festveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum des Sozialwerk Meiningen e.V. am 27.06.2011 erinnert sich Frau Reich-Schmidt, Gründungsmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied des Sozialwerk Meiningen e.V., an wichtige Entwicklungs- und Entstehungswege des Sozialwerk Meiningen e.V.

Nach der Wende, der Zeit des Umbruchs, der Umgestaltung und für viele auch der Verunsicherung standen auch im Gesundheits- und Sozialwesen viele Umstrukturierungen an und natürlich auch im medizinischen Bereich in Meiningen.

Die Auflösung der Poliklinik z. B. war politisch gewollt, ihre Existenz nur noch eine Frage der Zeit, denn im August 1990 gingen die ersten Ärzte in die eigene Niederlassung.
Durch die neu entstandenen Strukturen konnten mehr als 100 Fürsorgerinnen, Gemeindeschwestern und sonstiges medizinisches Personal in dem nun aufzubauenden Gesundheitsamt keine Anstellung finden. Plötzlich gab es ganze Bereiche, die durch das soziale Netz fielen, z. B. die Schwangeren- und Mütterberatung und die Betreuung von psychisch Kranken und Alkoholabhängigen.
Mit diesem Wissen trafen sich drei Ärztinnen, die zwar in verschiedenen medizinischen Bereichen tätig waren, sich aber mit dieser sozialen Lücke nicht abfinden wollten und nach Lösungen suchten.
Frau Dr. Lieselotte Kieckbusch, seit 1990 Amtsärztin des hiesigen Gesundheitsamtes, Frau Dr. Anneliese Heuer, langjährige Ärztin im schulärztlichen Dienst und Frau Dr. Gisela Jahn, Anästhesistin und persönliche Beraterin des Ärztlichen Direktors des Bezirkskrankenhauses Meiningen für Krankenhausumbauten. Der Glaube an die Möglichkeit eines Neuanfangs mit Eigenverantwortung für die Zukunft und der Wunsch, menschliches Leid mit Fingerspitzengefühl abzuwenden, riefen noch weitere Mitstreiter auf den Plan.
Zu einer der Gesprächsrunden kam dann noch Herr Rechtsanwalt Dadder aus Saarbrücken hinzu, der darauf hinwies, dass durch die Gründung eines Vereins ein Teil der Probleme gelöst werden könnte. Ganz wertvolle Hilfe erhielten wir auch von der Rechtsanwaltskanzlei Dr. Schaudt aus Stuttgart.

Auf Grund der wechselhaften Gesamtentwicklung des Sozialwerkes können meine folgenden Darlegungen nur Streiflichter sein.

Am 28.06.1991 wurde dann der Sozialwerk Meiningen e.V. ins Leben gerufen, der laut Satzung gemeinnützigen, mildtätigen und kirchlichen Zwecken dienen soll und Mitglied des Diakonischen Werkes der EKM ist.

Ein Netz unter dem sozialen Netz wollten wir installieren.

In den ersten Vorstand wurden gewählt: Frau Dr. Jahn, Frau Dr. A. Heuer, Frau Dr. L. Kieckbusch, Frau Dipl.-Med. G. Hofmann, Herr R. Schmidtchen, Herr R. Dadder und Frau H. Reich-Schmidt.

Weitere Gründungsmitglieder waren: unser jetziger Altbischof Roland Hoffmann und Herr Sup. Dr. Gerhard Victor.

Die Vorstände des Vereins wurden bzw. werden geleitet von Frau Dr. G. Jahn, Herr Dr. J. Wittig, dem wir unsere klaren Strukturen verdanken und Frau Pröpstin M. Krüger.

Bereits 1992 wurde die Geschäftsstelle des Vereins in der Leipziger Straße 10 in 98617 Meiningen offiziell eingeweiht, in der sich die ersten Mitarbeiter provisorisch einrichteten. Das waren Herr Schmidtchen, Frau Spörer, Herr Bennewitz und Frau Winkler.

Als erste Einrichtung unter der Trägerschaft des Vereins nahm die Schwangerenberatung mit Maria Brenz ab 01.01.1992 die Arbeit auf und fast zeitgleich auch die Suchtberatung mit Andreas Bär und Barbara Stirzel-Böhm.

In einem bemerkenswerten Tempo kamen immer neue Einrichtungen hinzu, sodass schon 1993 sieben Einrichtungen beim Verein angesiedelt waren, die den Anfang für die drei breit gefächerten Leistungsbereiche bildeten.

  • Kinder- und Jugendhilfe (heute Bereichsleiterin - Frau Schulz-König)
  • Hilfen für abhängigkeitskranke Menschen (heute Bereichsleiterin - Frau Walther)
  • Hilfen für psychisch kranke Menschen (heute Bereichsleiterin - Frau Troeger).


Im Vorfeld der Etablierung der Geriatrie in Meiningen gründete der Verein die Georgenhaus Sozialwerk Meiningen Betriebsgesellschaft mbH und die Sozialwerk Meiningen GmbH, Geschäftsführer war Herr Seeberg.

Rückblickend scheint es gerade zu selbstverständlich zu sein, dass die Sozialwerk Meiningen gGmbH Nachnutzer des alten Krankenhauses/der Meininger Klinken wurde und fast vergessen scheint es zu sein, dass die Geriatrische Fachklinik Georgenhaus, unser Kernbereich, und Herr Chefarzt Dr. Zeeh mit seinem Team nicht gleich in dieses schöne denkmalgeschützte Gebäude und den Erweiterungsbau eingezogen sind, sondern dass die ersten Patienten 1996 in der Leipziger Straße 23 im Hinterhaus begrüßt wurden.

Das Ziel, Hospizarbeit zu betreiben, hatte der Verein schon von Anfang an, aber konkret begonnen werden konnte mit dem Aufbau des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes erst 1997 mit Frau B. Kläsener und Frau P. Schäfer. Die Leitung übernahm Frau Dr. Jahn. 173 Hospizhelfer sind seitdem in Kursen ausgebildet worden, mit 36 von ihnen wurde ein Ehrenamtsvertrag abgeschlossen.
Auch das stationäre Hospiz, das ab 2007 unter der Leitung von Rita Wirthig wirksam werden konnte, war zuerst im Hinterhaus der Leipziger Straße 23 untergebracht bevor es in sein neues Domizil, das umgebaute Haus 5 in der Ernststraße, umziehen konnte. Leiter des gesamten Bereiches Hospiz ist heute Herr K. Müller.

Es gibt bei uns fast keine Einrichtung, die ihren Standort nicht gewechselt hat. Selbst für die Tafel Meiningen, das jüngste Kind unseres Vereins, das erst ein Jahr alt ist, wurde mehr Platz gebraucht, damit Herr Winkler mit seinen 15 ehrenamtlichen Helfern die Lebensmittel ordnungsgemäß lagern und an die zurzeit 264 bedürftigen Personen verteilen kann.

Weit gespannt ist das Netz der medizinischen und sozialen Einrichtungen, dass der Sozialwerk Meiningen e.V. und sein Tochterunternehmen, die Sozialwerk Meiningen gGmbH, in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis gespannt haben.

Bevor die jeweiligen Einrichtungen beginnen konnten, war da immer erst ein schwieriger Weg zu gehen von der Idee über die Konzeption und die Genehmigung zur Vollendung und Weiterführung. Manche Vorhaben wurden begonnen und konnten nicht weitergeführt werden, andere ließen sich gar nicht realisieren, aber viele wurden umgesetzt.

Dazu brauchte es z. B. Frau Dr. Gisela Jahn, die mit Leib und Seele für ihr Sozialwerk gekämpft hat und die Geschäftsführer Herr R. Schmidtchen, Herr Dr. H. Polle und Herr A. Pfeffer mit ihren Bereichsleitern und Mitarbeitern.

Von existentieller Bedeutung für unser Sozialwerk war aber auch die gute Zusammenarbeit mit den staatlichen und kirchlichen Institutionen des Landes Thüringen, der Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis, den Städten Meiningen, Wasungen, Bad Salzungen und Zella-Mehlis.

Deshalb gilt ihnen heute unser besonderer Dank für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung.

Wir danken dem Aufsichtsrat, unter Vorsitz von Herrn Altbischof R. Hoffmann, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung, danken dem Geschäftsführer der Sozialwerk Meiningen gGmbH, Herrn A. Pfeffer, sowie den 245 Beschäftigten und allen ehrenamtlichen Hospizhelfern sowie allen ehrenamtlichen Helfern der Tafel Meiningen.

Wir danken allen, die für das Sozialwerk über Jahre hinaus aktiv waren, aber heute nicht genannt worden sind und allen, die helfen, die Menschen, die sich uns anvertrauen, aufzufangen, zu beraten, zu pflegen und zu begleiten.

Hümpfershausen, im 26.07.2011

Helga Reich-Schmidt
ehem. Gründungsmitglied +
langjähriges Vorstandsmitglied
des Sozialwerk Meiningen e.V.


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98617 Meiningen
Druckdatum: 24.04.2018